Mo

21

Apr

2014

Mega-Profite, Minilöhne, Marktgeschehen

Ich stelle einen Auszug aus meinem Buch zur Diskussion: »Die Brandstifter – Wie uns Politik und Parteien wirklich regieren«. Thema: marktradikale Arbeitswelt.

 

Wie Mehltau befällt eine neue Ego-AG unsere ehemals hervorragende und erfolgreiche Unternehmenskultur. Götzen der neuen Profitreligion sind Wirtschaftsbosse, denen man keinen Gebrauchtwagen abkaufen würde, mit denen man nicht essen gehen möchte und für deren Kinder man instinktiv Mitleid empfindet. Klaus Schweinsberg, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Capital, kennt Charaktereigenschaften Industrieller aus dem Reisealltag: »Von Manieren ganz zu schweigen, da müssen Sie nur einmal in der Business Class in Deutschland fliegen, um zu sehen, wie die Leute sich da reindrücken. Da kann eine Mutter mit zwei Kindern an der Gangway lange stehen mit ihrem Buggy, da wird ihr keiner helfen.« Neue deutsche Rücksichtslosigkeit! Neue deutsche Unternehmerklasse! So empört es schon niemanden mehr, wenn ein Egomane wie Klaus Kocks, ehemals VW-Vorständler, durch Talkshows tingelt und verkündet: »Ich bin als Chef ein Schwein.« Anstatt Ächtung suchte der selbsternannte Widerling bis dato ein halbes Dutzend Unternehmen heim oder erteilte »gute« Ratschläge als PR-Berater. Wen wundern dann noch Buchtitel wie »Nieten in Nadelstreifen«. Oder wenn der Verband »Creditreform« 70 Prozent aller Pleiten auf unternehmerisches Versagen zurückführt. Schöne neue Unternehmerklasse! Wenn es auch an fachlicher und menschlicher Kompetenz mangelt, das Geschäft mit der Angst versteht diese vergötterte Gesellschaftsminorität wie keine andere. Mit Beginn der Massenarbeitslosigkeit und diesem Druckmittel haben Unternehmer zusammen mit ihren Verbänden die gesicherte Lage arbeitender Menschen zielstrebig zugrunde gerichtet. Anstatt Kollegialität säten sie Feindschaft zwischen ihnen und ihren Arbeitnehmern. Beinahe jede Errungenschaft und Sicherheit, die sich Beschäftigte mit den Gewerkschaften im vergangenen Jahrhundert erkämpften, wurde zurückgedreht. Entsprechend mies die Stimmung in den Betrieben. Und das nicht nur – wie politisch behauptet – in den Großkonzernen. Die Welle der Ausbeutung mit kriegsähnlichen Zuständen ist längst über den Mittelstand in die Familienbetriebe geschwappt. Eines der Symptome sind die fristlosen Kündigungen aufgrund von Nichtigkeiten oder Cent-Beträgen: eine mitgenommene Klopapierrolle, zwei belanglose Pfandbons, ein Kinderbett aus dem Sperrmüll, Maultaschen aus Essensresten, ein Bienenstich oder mal vom übriggebliebenen Brotaufstrich genascht. Auszüge aus dem Repertoire, um Mitarbeiter zu feuern! Zweckdienlich dazu erschien ein Ratgeber mit dem Titel »Kündigung von ›Unkündbaren‹«. Der Autor und Entlassungsspezialist wirbt damit, zu wissen, wie man trickreich langjährig Beschäftigte, Betriebsräte, Langzeitkranke oder Menschen mit Behinderungen loswird. Eine beispiellose Irrfahrt!

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Kommentare: 8
  • #1

    Marianne05 (Sonntag, 20 Oktober 2013 14:03)

    PR Berater? für mich eine schwatzende brotlose Kunst von Leuten die sich gerne selber reden hören. Habe mir schon abgewöhnt Diskussionsrunden und Talkshows im Fernsehen anzuschaun. Alles richtig primitive Dummlaller. Warum? Es fehlt ihnen einfach der geringste Anstand. Wenn ich der Leiter dieser Runde wäre würde ich sie zusammenstampfen und ihnen mal erklären, wir können zusammen singen, aber nicht zusammen sprechen. Da hat keiner mehr einen Funken Anstand, ramponiertes Benehmen wenn überhaupt, rücksichtsloses Verhalten und reden reden leider ohne wirklich was zu sagen. Nur heisse Luft um zu überdecken, dass das Halbwissen heute nicht mal mehr Halbwissen ist, sondern nur noch die anderen rücksichtslos zusammenzureden, über Leichen zu steigen und die Raffgier raushängen zu lassen. Ich habe erst vor einiger Zeit so einem Geldgeier in einer Gesprächsrunde ganz unsensibel erklärt, dass es in seinem Alter eigentlich überflüssig ist, sich ein dickes Buch oder eine Langspielplatte zu kaufen, dass ere sich nämlich auch nichts mitnehmen könnte und wann er anfangen möchte zu leben, weil mit 76 rafft man eigentlich nicht mehr, sondern geniesst das Leben und ist eigentlich nachsichtiger seinen Mitmenschen gegenüber. Auch die Gewerkschaften sind heute einfach nur noch Tand. Als wir die gute DM hatten und man suchte einen Job hiess es, laut Tarifvertrag zahlen wir .... und später übertariflich.... Heute spricht man von Mindestlohn. Das ist so ein Unwort seit der Euro-Aera. Die Einführung des Euro hat anscheinend auch irgendwie den Hirn-Frass mit eingeführt. Ich bin so ehrlich und gebe zu, ich will nicht alle Sozialflüchtlinge aus anderen Ländern hier haben, die angeblichen Asylanten, die schon nach 4 Wochen den Aufstand proben weil sie angeblich nicht standesgemäß untergebracht sind. Bringt sie doch einfach in den übergroßen Villen unserer Politiker und Wirtschaftsbossen unter,
    Allmählich möchte man schon bösartig werden. Diesmal habe ich in meiner Wahlkabine gestanden, immer noch überlegt, wem ich eigentlich meine Stimme geben könnte und habe dann beschlossen und dazu stehe ich, einen Strich quer drüber gemacht und festgestellt, keiner ist meine Stimme wert. Auch haben viele meiner Bekannten so gewählt. Hier in diesem Lande muss ein großen Umdenken anfangen sonst kommt wieder einer der alle dumm redet und dann ist es zu spät.

  • #2

    Martina2000 (Sonntag, 20 Oktober 2013 17:12)

    Danke Marianne05, ein toller Kommentar!!!

  • #3

    Stephanie Walter (Montag, 04 November 2013 15:16)

    Super geschrieben, spricht von der Seele und hat ehrlichen Inhalt.

    Gruß aus Pforzheim

    Stephanie Walter

  • #4

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