Mi

23

Jul

2014

Bonizahlungen – der Exzess unserer Zeit

Dank der Schweiz mit der erfolgreichen »Initiative gegen Abzockerei« (Boni-Deckelung) rückten auch Deutschlands Bonuszahlungen, Abfindungen und Gehälter für Manager in den öffentlichen Fokus. Das Bonussystem ist ein amerikanisches Modell, das wie ein Tsunami über den großen Teich schwappte. Wir haben es also mit dem geistigen Exkrement einer Nation zu tun, deren Zahlungsmittel, der Dollar, bis zur Dekadenz alle Wertvorstellungen überlagert. Kleine Kostprobe gefällig? Männer oder Frauen können gegen genügend Money Haustiere heiraten. Und da die Europäische Union, im Speziellen deutsche Politiker, nahezu alles Negative (das Positive leider nicht *) der USA kopieren, haben wir heute dieses angelsächsische »Belohungssystem« installiert. Bizarr: Der Sold greift selbst dann, wenn die Profiteure ihre Konzerne oder gar ganze Staaten an den Rand des Ruins treiben. Bonivereinbarungen setzen falsche Anreize und sind der Treibstoff für Gier. Wer stets nur den eigenen Vorteil im Kopf hat, denkt nicht mehr an das große Ganze. Deshalb ist dieses Harakiri-Prinzip auch eine der Ursachen der allgegenwärtigen Finanzkrisen. Das Plagiat dieser US-Söldnermentalität hat sich zwischenzeitlich auch in Banken, Industriekonzernen, Versicherungen, Vorständen, Krankenhäusern (Grund für sinnlose OPs) oder bei sonstigen Managergehältern etabliert.

Wer versteht noch, dass der VW-Chef Winterkorn für das Geschäftsjahr 2011 gut 11 Millionen Euro an Bonuszahlungen kassierte? Sein Gesamtgehalt lag bei über 17 Millionen Euro. Hätte der Restverdienst (ohne Boni) von sechs Millionen Euro nicht auch gereicht? Benötigt ein Konzernchef mit einem bereits irrwitzig hohen Jahresgehalt einen zusätzlichen Anreiz, um seine Arbeit zu tun? Nein! Wer ein gutes oder gar ein Millionengehalt bezieht, soll sich gefälligst dafür – ohne Bonus – den Hintern aufreißen. Basta!

Exzesse, soweit das Auge reicht: Im Jahr 2012 verteilte die Deutsche Bank 3,2 Milliarden Euro Bonus-Gratifikationen an ihre Banker und Investmentbanker. Aber wer bezahlte die Zeche wirklich? Falls Sie das Naheliegende denken, nämlich die großzügigen Finanz-Jongleure und ihre Anleger hätten alles berappt, dann liegen Sie falsch. Da der Bankensektor permanent mit zig Milliarden gerettet wird, waren es die Steuerzahler, sprich wir alle. Da wird Geld verteilt, das den kleinen Leuten über Steuererhöhungen, Rentenkürzungen, Inflation und eine unaufhörlich ausgebaute Abgabenflut abgezwackt wird. Und wir Steuerzahler werden sogar doppelt zur Kasse gebeten: Bonuszahlungen sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar! Fazit: Wir Bürger bluten für Finanz-Orgien und werden zu Sponsoren wider Willen, obwohl wir nichts damit zu tun haben. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Mit der vielbeschworenen Sozialen Marktwirtschaft schon gar nicht.

Logische Konsequenz: Die angloamerikanische Erfindung der Bonizahlungen muss ersatzlos gestrichen werden (nicht nur eine Begrenzung). Boniverbot ohne Wenn und Aber und ohne Hintertürchen!

 

* Zum Beispiel, dass sich in den Vereinigten Staaten Banker oder Manager vor Gericht verantworten müssen. Falls es in Deutschland überhaupt zu Ermittlungen kommt, heißt es unisono: Verfahren eingestellt. Oder: Verfahren gegen Geldauflage [versteht sich gegen einen läppischen Betrag] eingestellt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Marianne 05 (Dienstag, 01 Oktober 2013 15:34)

    Das mit den Boni und die Gehälter für Fußballer werde ich im Leben nicht verstehen. Wenn ein Betrieb unbedingt solche Bonuszahlungen einem Geschäftsführer oder Vorstand oder Aufsichtsrat hinterherwirft, so dürfte es unter keinen Umständen dann als Betriebsausgabe berücksichtigt werden. Das ist der blanke Hohn. Auch bin ich der Meinung, dass kein Mensch der ganzen Welt, wirklich keiner diese Gehälter und Boni verdient. So viel arbeitet er nicht und so lange Arbeitszeiten pro Monat sind nicht möglich. Der Mensch, der wirklich seine Arbeitskraft einsetzt bekommt nur einen Hungerlohn und hätte mehr verdient. Ich frage mich immer mehr wann und wodurch ist dieser Wucher eigentlich ausgelöst worden. Zur DM-Zeit hat man solche Exzesse nicht erlebt. Sollte daran auch der Euro schuld sein, sofort einstampfen verschreddern und wieder zur DM zurückkehren. Da konnte jeder Arbeiter und Angestellte von seinem GEhalt leben und musste nicht aufstocken, das gab es nicht und kannte man nicht. Irgendwie ist die Welt mit dem unseligen Euro total in die Schieflage geraten

  • #2

    Wolfgang (Donnerstag, 03 Oktober 2013 12:37)

    Ja Marianne, ich fühle genau so wie Du.
    Eigentlich sollte es jeder wissen, aber wenn ich die Bundestagswahl mir anschaue, dann sind die meisten blöd ,selber Profiteur oder ist da eine gigantische Wahlfälschung im Gange?