Do

20

Nov

2014

Die Deutschen sind ein seltsames Volk

Warum glauben und wählen sie ihre Politiker wie eh und je? Trotz des »alternativlosen« Einsatzes für den Euro und damit für den erbettelten Ruin Deutschlands steht unsere Kanzlerin an der Spitze der Wählergunst. Nichts kann die Meinung (auch die mediale) der Deutschen verändern, auch nicht die ausgemachte Torheit, dass deutsche Steuerzahler russische Schwarzgeldkonten in Zypern retten mussten. Zumindest jene, die sich nicht schon vorher auf und davon machten.

Politiker setzen derzeit alles, was wir über Jahrzehnte durch harte Arbeit und Verzicht erreicht haben, aufs Spiel und bürgen für Pleitestaaten, die nicht mehr zu retten sind. Jeder weiß es: Zypern oder Griechenland und andere Kandidaten werden nie und nimmer ihre Schulden zurückzahlen. Irische Banker verhöhnen Deutschland sogar aufgrund der geschenkartigen Hilfen. Doch Merkel verachtet die Spötter, und unsere Rettungspolitiker retten weiter, gegen die Meinung der großen Bevölkerungs-Mehrheit. Staatsfeindlich und extremistisch gar die SPD, sie möchte allen Ernstes die europäischen Schulden vergemeinschaften (Eurobonds) und damit auch noch die letzte disziplinierende Funktion aufgeben.

Warum sind sich alle etablierten Parteien über einen falschen Weg so einig?
Des Rätsels Lösung ist schlicht und ein Phänomen, das ich ausführlich in meinem Buch beschreibe: Politiker können keine Fehler eingestehen! Alle etablierten Parteien waren an der Euro-Einführung beteiligt. Alle haben einträchtig dafür gestimmt und Bedenken ignoriert, sich sogar darüber verächtlich gemacht. Also wird heute die größte Fehlentscheidung seit Gründung der Bundesrepublik geschlossen mit Mann und Maus verteidigt, koste es, was es wolle. Wie wunderlich das Szenario ist, macht Folgendes deutlich: Gäbe es einen Preis für die unbeliebtesten Europäer, dann ginge diese Trophäe unangefochten an uns Deutsche. Griechische, italienische oder zyprische Zeitungen zeigen Kanzlerin Angela Merkel mit Hitlerbärtchen oder als Nazi-Domina (in Deutschland Straftaten). Unser direkter Nachbar Frankreich ist noch heute über Merkels Parteinahme für den späteren Wahlverlierer Sarkozy verstimmt. Luxemburg ist sauer, wie Deutschland verbal gegen die internationale Bankenindustrie zu Felde zieht. Belgien hat Deutschland jetzt bei der EU (zu Recht) angezeigt, da unsere Dumpinglöhne den Wettbewerb in Europa verzerren. Die Bundesrepublik steht heute für viele Menschen in den Krisenstaaten für eine kalte, ungerechte Wirtschaftsordnung (die Agenda 2010 für ganz Europa). Deutsche Politiker grinsen alle Anfeindungen weg und stehen für die Schulden ihrer EU-Gegner gerade. Michael Naumann, ehemaliger Staatsminister unter Gerhard Schröder, wünschte sich gemäß dieser absurden Logik im ARD-Presseclub: »dass Deutschland aufhört zu jammern und zahlt.« Eine unterirdische Aussage und nah an einem pathologischen Befund.

Die Krisenpolitik wird weitergeführt, obwohl alles schlechter und für die Menschen alles schlimmer wird.
Wieso stellt niemand eine längst gescheiterte Politik in Frage? Jeder kennt doch den Spruch: »Erst kommt die Troika, dann die Rezession«. Von zu Tode retten ist die Rede. Der Verdruss der Rettungsländer ist verständlich. Es genügt halt nicht, nur Geld zu überweisen, das nicht die Menschen, sondern nur die Bankenkasinos rettet. Zudem ist Deutschland wenigstens Mittäter der Krise. Mit Lohndumping, versteckten Subventionen, chinesischen Hungerlöhnen nahmen wir den übrigen EU-Ländern ihre Konkurrenzfähigkeit. Nun soll das »Modell Deutschland« die europäische Welt beglücken: Her mit Dumpinglöhnen, sinkenden Renten, neoliberaler Unzucht im Sozialbereich und auf dem Arbeitsmarkt.

Die Situation könnte kaum grotesker sein.
Deutschland setzt als Buhmann Europas durch Bürgschaften und Geldzahlungen seine eigene Zukunft aufs Spiel. Gleichzeitig werden die Hilfszahlungen mit Maßnahmen verknüpft, die die Empfängerländer ruinieren. Und das alles nur wegen einer läppischen Währung, die nichts anderes als ein Zahlungsmittel ist. Aufwachen, Deutschland! Aufwachen, bankrottes Europa! Und neben dem finanziellen Desaster droht weiteres Ungemach, das Altkanzler Helmut Schmidt so beschrieb: »Wir sind am Vorabend der Möglichkeit einer Revolution in Europa«.

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